Gedenktag im Abseits? Wer trauert eigentlich noch am Volkstrauertag?   

 

Justus H. Ulbricht (Geschäftsführer Dresdner Geschichtsverein e.V.) im Gespräch mit Angelika Behnke (Pfarrerin Frauenkirche Dresden), Holger Hase (Vorsitzender Denk Mal Fort! e.V.) und Jens Nagel (Leiter Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain)    

 

Alljährlich wird am zweiten Sonntag vor dem ersten Advent in Deutschland der Volkstrauertag begangen. Dieser staatlicher Gedenktag blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück.

Der Volkstrauertag wurde 1925 das erste Mal begangenen. Initiator und Träger des Gedenkens war der 1919 gegründete Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Dieser verband damit die Zielvorstellung, eine bei allen Deutschen einheitliche Erinnerung an das Leid des Ersten Weltkrieges zu bewirken, um so das Volk über die Schranken von Parteien, Religionszugehörigkeit und sozialem Stand zusammenzuführen. Aufgrund der stark militaristischen Ausrichtung der Gedenkfeiern konnten sich aber große Teile der Bevölkerung, insbesondere die Anhänger der Republik und die Kommunisten, nicht mit dem Gedenktag identifizieren. Die christlichen Kirchen erblickten in ihm eine Konkurrenz zu den bereits bestehenden eigenen stillen Tagen im November und in der Passionszeit.

Unter den Nationalsozialisten wurde der Volkstrauertag zum Heldgedenktag umgewidmet und zur Kriegsverherrlichung missbraucht. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bemühte sich der Volksbund um eine Wiederbelebung des Gedenkens und erreichte 1952 die erneute Anerkennung des Volkstrauertages als zu schützender Tag. Freilich blieb seine inhaltliche Zuschreibung vage und veränderlich. Das ursprüngliche Gefallenengedenken wurde um die Opfer der Gewaltherrschaft, die Opfer des Terrorismus und seit neuestem auch um die Gefallenen der Bundeswehr erweitert.  

In unserer heutigen pluralistischen Gesellschaft erhält der Volkstrauertag zunehmend Konkurrenz von anderen staatlichen Gedenktagen, wie etwa dem 27. Januar. In den neuen Bundesländern ist er aufgrund der unterbrochenen Traditionslinie durch die DDR-Zeit zudem gesellschaftlich kaum verankert. Mit dem Versterben der Erlebnisgeneration des Zweiten Weltkrieges scheint die Relevanz des Gedenkens an die Gefallenen mehr und mehr abzunehmen. All dies lässt den Volkstrauertag als einen „Gedenktag im Abseits“ erscheinen.

Über diesen negativen Befund und die möglichen Perspektiven für die Zukunft des Gedenktages soll an diesem Abend im Podium diskutiert werden.

Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.

 

Dienstag, 6. November 2018, 18 Uhr

Museumscafé im Dresdner Stadtmuseum, Wilsdruffer Straße 2, 01067 Dresden

Tote in die Stadt

2018, Intervention im öffentlichen Raum, 20000 Postkarten, 1. Oktober bis 31. Oktober in Dresden

Gefallene des Ersten Weltkrieges – begraben auf dem städtischen Nordfriedhof, Dresden.
Eine Aktion von Denk Mal Fort! e.V. und dem Kulturamt der Landeshauptstadt Dresden zum Ende des Ersten Weltkrieges.

https://www.susandonath.com/de/arbeiten/tote-in-die-stadt/